
Tinnitus ist eine auditive Wahrnehmung, die durch das Hören von Geräuschen oder Klingeln in den Ohren entsteht, ohne dass eine äußere Schallquelle vorhanden ist. Diese Geräusche können als Klingeln, Summen, Rauschen oder Pfeifen wahrgenommen werden und können ständig oder intermittierend auftreten. Tinnitus kann sowohl ein Symptom anderer zugrunde liegender Erkrankungen sein, als auch eigenständig auftreten.
Die genauen Ursachen von Tinnitus sind oft schwer zu bestimmen, können aber mit einer Vielzahl von Faktoren in Verbindung stehen, darunter Lärmbelastung, Alterungsprozesse, Ohrverletzungen, Stress und bestimmte medizinische Bedingungen. Obwohl Tinnitus in einigen Fällen vorübergehend sein kann, leiden viele Menschen unter chronischem Tinnitus, der ihr tägliches Leben beeinträchtigen kann, indem er Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und psychische Belastungen verursacht.
Behandlung von Tinnitus mit Biofeedback und Neurofeedback
Auch hier (der Begriff „auch hier“ macht natürlich nur Sinn, wenn Sie auch meine anderen Artikel gelesen haben) gibt es wieder zwei sehr bekannte Varianten der Behandlung.

Das erste ist ein EMG-Biofeedback in dem das Gesicht umgebenden Muskelbereich, sehr häufig im Bereich des Kiefers. Hintergrund dieses Vorgehens ist die Idee, dass eine verspannte Muskulatur eben über diese Spannung zum Geräusch führt und eine Lösung der Spannung dieses reduziert. Klingt eigenartig, ist aber sehr häufig der Fall. Diese Variante funktioniert natürlich nur dann, wenn verspannte Muskulatur der Auslöser des Tinnitus ist.
Auch Neurofeedback wurde vielfältig für die Arbeit mit Tinnitus genutzt. Aus einer Studie: In der ersten Neurofeedback-Trainingssitzung wurde für jeden Teilnehmer ein individueller Alpha-Gipfel bestimmt, indem Alpha-Gipfel über 30 Sekunden Ruhe-EEG gemittelt wurden. Anschließend wurde die Belohnungsfrequenz im Bereich von ±2 Hz um diese Gipfelfrequenz eingestellt. Als unerwünschte Alternative wurde der Frequenzbereich von 3–4 Hz, der dem Delta-Band entspricht, im Allgemeinen eingestellt, um negatives Feedback hervorzurufen.
Generell läuft einem ein „Alpha-Up“/“Delta-Down“-Training hier häufig über den Weg.
Wirksamkeit
In Bezug auf das EMG-Training konnte eine Studie aus der Universität Marburg (welche auch als Quelle für den unten zu findenden beispielhaften Behandlungsablauf dient) zeigen, dass eine deutliche Verringerung der Tinnitus-Belastung in der Arbeit mit Biofeedback zu finden war. Die Behandlung wurde auch gut akzeptiert und zeigte keine Nebenwirkungen.
Die Studie, aus der das oben genannte Neurofeedback-Protokoll stammt, berichtete von einer signifikanten Senkung von Lautheit und Stress (der Stress zeigte sich auch nach mehreren Monaten als stabil).
Beispielhafter Behandlungsablauf
Zu Beginn wird wie üblich die psychologische Evaluation und ein psychophysiologisches Stress- und Entspannungsprofil durchgeführt. Auf Basis dieser Assessments wird ein Plan erstellt und mit dem Klienten besprochen bzw. diesem erklärt. Wie so oft in der Arbeit mit Biofeedback können hier auch einführende Einheiten zu Achtsamkeitstraining nützlich sein.

Für einen Behandlungsablauf kann ich Ihnen generell eine Arbeit der Universität Marburg ans Herz legen. Das Training orientiert sich an: Weise, C., Heinecke, K., & Rief, W. (2007). Biofeedback bei chronischem Tinnitus – Behandlungsleitfaden und vorläufige Ergebnisse zu Wirksamkeit und Akzeptanz. Verhaltenstherapie, 17(4), 220-230.
- Psychoedukation Tinnitus und Einführung ins Biofeedback: Spielerische Entspannungsübungen
- Die Wirkung von Stress: Stresstest, Entspannung nach Belastung
- Der Tinnitus-Teufelskreis: Schwellentraining
- Dysfunktionale Gedanken – funktionale Gedanken: Einschätzung der An- und Entspannung; Ausschleichen der Rückmeldung
- Aufmerksamkeit: Übungen zur Körperhaltung
- Alternative Entspannungstechnik: PMR-Übung
- Konzentration auf den Tinnitus: Biofeedbackgestützte Imagination
- Rückzug und Vermeidung: Entspannung unter Stress/Lärm
- Rückfallprophylaxe: Wiederholung schwieriger Übungen
Sie finden die gesamte Studie hier (Bitte Link erneuern/einfügen).
Wenn Sie „fertig“ sind, vereinbaren Sie mit dem Klienten einige Follow-up-Sitzungen (mit größeren Abständen), damit Sie den weiteren Fortschritt und das Beibehalten der Erfolge überprüfen können.