
Stress betrachten wir hier auf zwei verschiedene Arten und Weisen. Einerseits gibt es den schädlichen, aber noch nicht krankheitswertigen Stress, den viele von uns zumindest kennen. Auf der anderen Seite finden wir klinischen Stress, welcher auch ins ICD aufgenommen wurde und landläufig als Burnout bezeichnet wird. Biofeedback und Neurofeedback können bei beiden Varianten helfen.
Biofeedback hat durch seine Rückmeldungskomponente auch einen Weg, Klienten die Stressbelastung überhaupt erst bewusst zu machen. Falls Sie in diesem Bereich tätig sind, kennen Sie das vielleicht à la „Ich bin doch nicht gestresst“. Die Rückmeldung am PC ist hier oft ein guter Weg, diesen Stress zu verdeutlichen!
Behandlung von Stress und Burnout mittels Biofeedback und Neurofeedback
Das „Praktische“ an der Arbeit mit Stress und Burnout ist, dass man so gut wie alle Modalitäten verwenden kann. Oft zeigt sich das Stressgeschehen bei verschiedenen Klienten auch ganz unterschiedlich. Manche Personen (das kenne ich z.B. am häufigsten) verspannen die Schultermuskulatur sehr stark, andere atmen flacher.
Was sehr häufig angewandt wird, ist z.B. Atembiofeedback, HRV-Training, Temperatur-Biofeedback und der Hautleitwert vor allem auch zur Psychoedukation. Auf Seiten des Neurofeedbacks werden hier häufig Alpha-Protokolle angewandt.

Die Art der Abläufe kann, genauso wie Biofeedback selbst, sehr verschieden sein. Einerseits gibt es hier die Möglichkeit, dem Klienten die Entspannungsaufgabe zu stellen und sie mittels Musik oder Videos einfach zu unterstützen. Gerade bei Anfängern, die sich mit Entspannung sehr schwer tun, ist das oft nützlich.
Später können der Schwierigkeitsgrad und die Art des Feedbacks variiert werden. Nun läuft das Video nicht mehr von alleine weiter, sondern nur, wenn ein vorgegebenes Ziel erreicht wurde. Oder eine Blume öffnet sich, je mehr man sich entspannt. Wenn Sie mich fragen, eignet sich für einige Zeit (bis das locker von der Hand kommt) die zweite Variante besser. Diese gibt nämlich kontinuierlich Rückmeldung und hat nicht diese harte Schwelle. Wenn jemand aufgrund eines beruflichen Stressgeschehens zu Ihnen kommt, ist es vielleicht nicht die beste Idee, hier gleich wieder eine „Leistung“ zu verlangen.
Sehr spannend ist es, hier auch verschiedene Parameter gleichzeitig zu erfassen und gemeinsam den Fortschritt zu beobachten. Erfahrungsgemäß hilft die visuelle Rückmeldung auch sehr dabei, dranzubleiben und auch (wenn der Klient das herzeigen will) dem oft großen sozialen Druck – „so schlimm wirds schon nicht sein“ – entgegenzutreten.
Wie wirksam ist Biofeedback bei Stress und Burnout?
Die Studienlage zu Stress und Burnout ist sehr positiv. Es gibt Hinweise auf die Anwendung gegen täglichen Stress, die Toleranz gegen Stress und in Bezug auf die Reduktion der Symptome von Angst, Stress und Depression. Die Effekte treten teils schon nach wenigen Wochen auf.
Natürlich kann die Methode auch genutzt werden, um Stress und Burnout vorzubeugen. Das Praktische ist, dass der Klient auch eine gewisse Selbstwirksamkeit erlebt, da das Gerät ja nur ein Spiegel ist. Der Klient erlebt, dass er selbst aktiv dem Stress entgegentreten kann.
Beispielhafter Behandlungsablauf
Zu Beginn wird wie üblich die psychologische Evaluation und ein psychophysiologisches Stress- und Entspannungsprofil durchgeführt. Auf Basis dieser Assessments wird ein Plan erstellt und mit dem Klienten besprochen bzw. diesem erklärt.
Wie so oft in der Arbeit mit Biofeedback können hier auch einführende Einheiten zum Achtsamkeitstraining nützlich sein.

Das Stresstraining ist dann relativ individuell und basiert zu einem großen Teil auf den Erzählungen des Klienten und den Ergebnissen des Stressprofils. Ein Erfahrungsbericht eines Anwenders ist mir hier immer im Kopf geblieben: Dieser berichtete, dass er das Temperatur-Biofeedback meist für „körperlichen Stress“ nutzte und den Hautleitwert für die mentale Komponente. Dazu gibt es meines Wissens nach keine Studien, aber die Erfahrung deckte sich sehr gut mit meiner.
Ein Klassiker (vor allem, wenn Sie vielleicht unklar sind, was genau Sie tun sollen) wäre das Training der Herzratenvariabilität. Ein Aufbau dieser Fähigkeit hilft oft in verschiedensten Situationen. Hierzu erheben Sie zuerst die sogenannte resonante Atemfrequenz (jene, in der sich die beste Herzratenvariabilität zeigt) und trainieren anschließend mit dieser Frequenz. Der Klient kann hier auch mit einem Atempacer zu Hause trainieren. Wichtig ist, dass Sie zuerst sicherstellen, dass der Klient „richtig“ atmet, im Sinne einer tiefen, entspannten Bauchatmung.
Wenn Sie „fertig“ sind, vereinbaren Sie mit dem Klienten einige Follow-up-Sitzungen (mit größeren Abständen), damit Sie den weiteren Fortschritt und das Beibehalten der Erfolge überprüfen können.
Tipps und Tricks: Biofeedback als „Augenöffner“
Wie bereits mehrfach angedeutet, eignet sich Biofeedback sehr gut dazu, Klienten den Stress überhaupt erst bewusst zu machen. Wie das funktionieren kann, zeige ich in folgendem Video: