Schlafstörungen sind ein weitverbreitetes Gesundheitsproblem, das Millionen von Menschen weltweit betrifft. Schlaf spielt eine entscheidende Rolle für die physische und psychische Gesundheit, da er maßgeblich Einfluss auf verschiedene lebenswichtige Funktionen hat. In unserer modernen Gesellschaft, geprägt von stressigen Lebensstilen, digitaler Vernetzung und unregelmäßigen Arbeitszeiten, nehmen Schlafstörungen stetig zu und haben erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen.
Von vorübergehenden Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen bis hin zu chronischen Formen, die monatelang anhalten können, manifestieren sich Schlafstörungen in vielfältiger Weise.

Behandlung von Schlafstörungen mit Biofeedback
Der Hintergedanke ist schon auf den ersten Blick plausibel: Personen, welche Schwierigkeiten mit dem Schlafen haben, haben ein erhöhtes Erregungsniveau. Daher kann Biofeedback und Neurofeedback genutzt werden, um dieses zu senken und den Schlaf damit zu erleichtern.
Direkt zum Einschlafen selbst habe ich immer ein Einschlafprotokoll empfohlen. Das ist auch eine schön individuelle Sache, da man mit dem Klienten gemeinsam die Verfahren identifizieren kann, welche beim Einschlafen helfen, und diese dann in einer gewissen Reihenfolge ausführen kann.
Sie können sich das als Ergebnis dann ungefähr so vorstellen:

- Der Klient beruhigt mittels Temperatur-Biofeedback seinen Körper,
- dann mittels Alpha-Neurofeedback seine Gedanken,
- dann mit dem EMG die restliche Muskulatur
- und schließlich schläft er mit Atembiofeedback ein.
Dieses Protokoll wird in der Praxis trainiert, um es dann ohne Geräte in vivo anwenden zu können. Irgendwie erhält dieses Vorgehen dann auch eine Art Ritualcharakter; der Klient lernt also, seinen Schlaf selbstständig einzuleiten und Körper und Geist in den Ruhemodus zu bringen.
Wirksamkeit
Auch wenn in den letzten Jahren immer wieder viel über die direkte Effektivität von Biofeedback und Neurofeedback bei Schlafstörungen diskutiert wurde, so sind doch die Erfahrungswerte von kombiniertem Training sehr gut. Vor allem, wenn man die medikamentöse Alternative bedenkt.
Eine Studie konnte zeigen, dass verhaltensorientierte Behandlungen (wie Biofeedback) manchmal gleichwertig sind und im Gegensatz zur Medikamenteneinnahme länger andauernde Effekte zeigen.
Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Biofeedback bei Schlafstörungen, die nicht durch organische Ursachen bedingt sind, eine mindestens gleichwertige Alternative zu anderen Behandlungsmethoden darstellt.
Beispielhafter Behandlungsablauf

Zu Beginn wird wie üblich die psychologische Evaluation und ein psychophysiologisches Stress- und Entspannungsprofil durchgeführt. Auf Basis dieser Assessments wird ein Plan erstellt und mit dem Klienten besprochen bzw. diesem erklärt.
Wie so oft in der Arbeit mit Biofeedback können hier auch einführende Einheiten zum Achtsamkeitstraining nützlich sein.
Danach besprechen Sie mit dem Klienten ein Schlafprotokoll, welches auch für diesen Sinn macht. Wie oben beschrieben können dies verschiedene aufeinander aufbauende Komponenten (Muskelentspannung, Atmung, Hirnaktivität …) sein. Diese können Sie dann einzeln jeweils für ein paar Sitzungen üben, um diese anschließend zu kombinieren.
Der wirkliche Erfolg zeigt sich natürlich zu Hause, ein Einschlafen des Klienten in der Praxis kann aber passieren.
Wenn Sie „fertig“ sind, vereinbaren Sie mit dem Klienten einige Follow-up-Sitzungen (mit größeren Abständen), damit Sie den weiteren Fortschritt und das Beibehalten der Erfolge überprüfen können.