
Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Anfälle von starken Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können pulsierend oder pochend sein und werden oft von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und Geräuschempfindlichkeit begleitet.
Die genauen Ursachen von Migräne sind nicht vollständig verstanden, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, neurochemischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Migräne kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen und ist eine der führenden Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit weltweit.
Behandlung von Migräne mit Biofeedback

Die Arbeit von Biofeedback mit Migräne bezieht sich auf zwei Punkte: präventiv vor einem Anfall und akut beim Auftreten eines Anfalls. Fangen wir zunächst mit dem Spektakulären an.
Das Vasokonstriktionstraining wird zum Stoppen eines Migräneanfalls verwendet. Es basiert auf der Idee, dass sich bei einem Migräneanfall eine chronisch verengte Schläfenarterie plötzlich weitet und damit die Schmerzattacke stattfindet. Der Klient soll durch das vorher erlernte Vasokonstriktionstraining in die Lage versetzt werden, dieses plötzliche und massive „Aufreißen“ zu lindern und die Arterie willentlich zu verengen. Das klingt auf den ersten Blick unmöglich – ist es aber nicht.
Beim Training selbst wird ein kleiner Sensor an der Schläfenarterie angebracht, der deren Durchblutung misst. Der Klient soll nun prüfen und lernen, wie er diese Arterie verengen kann. Dies ist von Person zu Person unterschiedlich und kann mit dem Anwender gemeinsam eruiert werden.
Das Training selbst findet unter „normalen“ Bedingungen, also nicht während einer Attacke, statt. Das Ziel ist, die Fähigkeit so gut zu erlernen, dass die Klienten diese dann bei einer echten Attacke nutzen können.
Die zweite, und zugegeben unspektakulärere Variante, ist eine Migräneprophylaxe über ein Temperatur-Biofeedback. Auch hier kann man sich mit dem oben genannten Ansatz helfen, nur die Intervention findet bereits vorher statt.
Ein Temperatur-Biofeedback führt zu einer Weitung der Blutgefäße (auch wenn es am Finger durchgeführt wird, das strahlt meist aus) und dadurch kommt es gar nicht erst zur Verengung und zur Attacke.
Auch wenn das nicht so magisch wirkt wie das Vasokonstriktionstraining, ist es natürlich gelinde gesagt ein Traum, wenn man es gar nicht so weit kommen lassen muss, dass der Anfall stattfindet.
Wirksamkeit
Die Evidenz für Biofeedback bei Migräne ist sehr gut. Die Methode wird sogar im Bericht „Akuttherapie und Prophylaxe der Migräne“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie genannt.
Die Effekte der Behandlung liegen zwischen 35 % und 45 %, und eine Kombination von Biofeedback und progressiver Muskelentspannung konnte eine Reduktion der Anfälle von bis zu 50 % zeigen.
Der Effekt gilt als zeitlich stabil und scheint sich sogar manchmal nach dem Training zu vergrößern.
Beispielhafter Behandlungsablauf

Wie üblich führen Sie eine psychologische Evaluation sowie ein Stress- und Entspannungsprofil durch. Im Falle der Migräne können Sie, wenn gegeben, auch weitere Profile erstellen (Arbeiten am PC, Muskelspannung des Kiefers, etc.).
Danach besprechen Sie gemeinsam mit dem Klienten die Ergebnisse und erarbeiten offen einen Behandlungsplan. Wahlweise können Sie danach (hilft sicher sehr) Achtsamkeitstraining durchführen.
Ich persönlich würde dem Klienten dann beide Fähigkeiten beibringen und tatsächlich mit dem Temperaturtraining zur Migräneprävention beginnen. Das ist auch nicht das Einfachste, aber generell tun sich Personen damit leichter als mit dem Vasokonstriktionstraining, und rasche Erfolge sind immer etwas Gutes. Das Erlernen der Vasokonstriktion kann durchaus 8–20 Sitzungen dauern, so ehrlich muss man sein. Wenn man aber den Leidensdruck der Migräne berücksichtigt, ist das meiner Meinung nach aber immer noch okay.
Ein durchaus spannender Effekt kann eintreten, sobald der Klient einmal in der Lage war, einen Migräneanfall zu stoppen. Das Wissen und Gefühl der Kontrolle (nicht mehr „ausgeliefert sein“) kann zu tollen, entspannenden Effekten führen.
Nachdem, wie man oben gesehen hat, eine Kombination aus PMR und Temperatur-Biofeedback so tolle Erfolge gezeigt hat, würde ich persönlich auch EMG-Biofeedback zur Muskelentspannung in die Arbeit integrieren. Sollten sich im Stressprofil andere auffällige Werte gezeigt haben, können Sie diese auch bearbeiten.
Wenn Sie „fertig“ sind, vereinbaren Sie mit dem Klienten einige Follow-up-Sitzungen (mit größeren Abständen), damit Sie den weiteren Fortschritt und das Beibehalten der Erfolge überprüfen können.
Tipps und Tricks
Ehrlicherweise muss angemerkt werden (auch damit Sie das Ihren Klienten ehrlich kommunizieren können), dass der oben genannte Wirkmechanismus für Migräne nicht zu 100 % geklärt ist. Es gibt Kritik daran, Gegenvorschläge und andere Hypothesen. In meinen Augen (und vielleicht auch denen der Experten) sind auch verschiedene Entstehungsarten nicht unwahrscheinlich. Relevant war für mich immer die direkte Forschung der Wirksamkeit, und die war positiv. Die Wirkmechanismen sollten erforscht werden, aber Ersteres halte ich für das Wichtigere.