Biofeedback bei Angststörungen

Angststörungen sind die häufigste psychische Störung und zeigen ein weites Krankheitsbild. Dieses reicht von generalisierter Angst, über Panik bis hin zu Phobien.

Wie wird Angst mit Biofeedback und Neurofeedback behandelt?

Der in Zusammenhang mit Angst am häufigsten genutzte Parameter ist sicher die Atmung und damit einhergehend die Herzratenvariabilität. Der Klient erlernt zuerst eine tiefe, korrekte und entspannte Bauchatmung und übt dann dieses Atemmuster zur Entspannung.

Ein großer Vorteil von Biofeedback ist hier, dass die Tatsache, dass „man das selbst macht“, dem Klienten auch dringend benötigte Selbstwirksamkeit und Kontrolle gibt.

Unterschiedliche Zugänge

Durch die Differenziertheit der Ausprägung dieser Störung gibt es natürlich auch verschiedene Zugänge zur Behandlung.

Bei Phobien ist der Zugang recht direkt, das Expositionstraining kann am Bildschirm (oder mittels VR) durchgeführt werden und das Biofeedback unterstützt dabei. Dabei kann man selbst entscheiden, ob man nur das Video sehen soll, oder auch die Kurven. Praktisch ist hier, dass Sie entweder Videos in das Training einbauen können, aber auch Ihre eigenen Stimuli (z.B. in vivo) nutzen und nebenher mittels Biofeedback Daten erheben.

Bei eher generalisierter Angst arbeitet man, wie oben bereits erwähnt, intensiv mit der Atmung und der Herzratenvariabilität. Hier geht es darum, den Klienten grundsätzlich in einen ruhigeren Zustand zu versetzen und andererseits darum, Fähigkeiten zu vermitteln, mit hohen Belastungen umzugehen.

Auch Neurofeedback wird genutzt, hier wird oft ein entspannendes Alpha-Training genutzt oder Beta-Wellen werden reduziert, um Beruhigung zu erzielen.

Wirksamkeit

Die Erfolge von Biofeedback und Neurofeedback bei Angststörungen sind durchaus beeindruckend. Verbesserungen zeigen sich manchmal bereits nach 6 Sitzungen und die Erfolge können auch noch nach einem Jahr gezeigt werden.

Spannenderweise gibt es auch eine Studie, in der sich zeigt, dass Biofeedback von Klienten auch als wirksamer bezeichnet wurde als andere Entspannungstechniken. Meiner Meinung nach liegt das am spielerischen Aspekt der Methode, es hat einfach eine gewisse Lockerheit. Zusätzlich verbessert sich durch die Selbststeuerung der Körpersignale auch oft die Krankheitsbewältigung, die Hilflosigkeit reduziert sich.

Beispielhafter Behandlungsablauf

Nach einer psychologischen Evaluation kann zuallererst ein psychophysiologisches Stress- und Entspannungsprofil erstellt werden. Dieses kann in der folgenden Sitzung mit dem Klienten besprochen werden und als Psychoedukation sowie als Basis für die weitere Arbeit genutzt werden.

Besprechen Sie mit dem Klienten die Hintergründe für Ihr Vorgehen. Wenn Sie das Vorgehen psychophysiologisch basieren können, könnte das die Compliance deutlich steigern.

In den folgenden Sitzungen können Sie Atemübungen, Achtsamkeitstraining, Paced Breathing und schlussendlich entspannungsbasierte Übungen durchführen, in denen die Klienten versuchen, die Erregung zu verringern.

Nach der Atmung können Sie beispielsweise Muskel-Biofeedback verwenden, um dem Klienten beizubringen, auch geringe Spannungen zu erkennen und später Muskelspannung zu reduzieren. Sie können auch (vor allem wenn die Symptome persistieren) HRV-Biofeedback implementieren und/oder andere Parameter, welche sich im Stressprofil als auffällig gezeigt haben, bearbeiten.

Wenn Sie „fertig“ sind, machen Sie sich mit dem Klienten einige Follow-Up-Sitzungen aus (mit größeren Abständen), damit Sie den weiteren Fortschritt und das Beibehalten der Erfolge überprüfen können.

Tipps und Tricks

Gerade beim Expositionstraining ist es cool, mit eigenen Bildern und Videos zu arbeiten – gut, wenn das Programm das ermöglicht. Ansonsten kann man natürlich auch die Situationen imaginisieren, herstellen oder bei mobilen Geräten IN die Situation gehen.