Morbus Raynaud, auch bekannt als Weißfingerkrankheit, führt zu Taubheit, Schmerzen und Kälte in den Fingern und Zehen. In manchen Fällen kann die Krankheit auch die Hände, Füße und sogar das Gesicht betreffen. Frauen leiden deutlich häufiger an Morbus Raynaud als Männer.
Die Behandlung von Morbus Raynaud mit Biofeedback
Die Biofeedback-Therapie bei Morbus Raynaud zielt darauf ab, die Betroffenen darin zu schulen, ihre Hände bzw. die betroffenen Extremitäten wie die Füße willentlich zu erwärmen. Mithilfe eines Temperatursensors wird erlernt, die Durchblutung und damit die Temperatur zu verbessern.
Ganz generell finden in vielen Biofeedback-Trainings „Schwierigkeitsgrade“ Anwendung, die das Training mit der Zeit immer intensiver machen. Gerade beim Handerwärmungstraining kann man das aber sehr schön illustrieren:
- Das Training findet unter idealen Bedingungen statt.
- Kältereize werden hinzugefügt; das kann das Öffnen des Fensters sein oder die zweite Hand in kühlem Wasser – hier ist viel möglich.
- Übung ohne Feedback, der Klient schätzt seine Temperatur selber ein.
- Klient hat die Fähigkeit gelernt und kann sie auch in schwierigen Situationen ohne Gerät anwenden.
Wirksamkeit
Wissenschaftlich bestätigt ist die Anwendung von Biofeedback bei Morbus Raynaud schon lange. Es hat die zweithöchste Wirksamkeitsstufe in einem Review der Association for Applied Psychophysiology and Biofeedback erreicht und gilt als „wirksam“.
Die langfristige Erfolgsrate liegt bei 70 %, und in der Regel reichen 5–10 Sitzungen, um die Handerwärmung zu erlernen.
Studien zeigen, dass Temperatur-Biofeedback eine größere Reduktion der Symptome bewirkt als EMG-Biofeedback oder autogenes Training.
Biofeedback kann aber auch unterstützend bei anderen Techniken wie dem autogenen Training eingesetzt werden.
Beispielhafter Behandlungsablauf
Zu Beginn wird wie üblich die psychologische Evaluation und ein psychophysiologisches Stress- und Entspannungsprofil durchgeführt. Auf Basis dieser Assessments wird ein Plan erstellt und mit dem Klienten besprochen bzw. diesem erklärt.
Wie so oft in der Arbeit mit Biofeedback können hier auch einführende Einheiten zum Achtsamkeitstraining nützlich sein.
Danach geht es ins Training. Zuerst werden die Grundlagen der Atmung, die „Tiefenatmung“ und langsame Bauchatmung erklärt und erlernt. Anschließend das Gleiche für das Thema der Herzratenvariabilität. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die resonante Atemfrequenz festgelegt.
Danach können über durchaus 8–12 Sitzungen Temperatur-Biofeedback trainiert werden. Sie beginnen wie oben erklärt zuerst „leicht“ und machen es schrittweise schwerer. Dies kann z.B. durch das Hinzufügen von Kältereizen passieren.
Wenn Sie „fertig“ sind, vereinbaren Sie mit dem Klienten einige Follow-up-Sitzungen (mit größeren Abständen), damit Sie den weiteren Fortschritt und das Beibehalten der Erfolge überprüfen können.
Tipps und Tricks
Stressmanagement-Training ist für Raynaud-Patienten besonders wichtig, da diese häufig stark auf emotionalen Stress reagieren. Auch das Erlernen der Wahrnehmung der Kälte der Hände ist sehr wichtig; hier kann Achtsamkeitstraining helfen, und man kann das während des Tages in Pausen machen.
Bedenken Sie (ggf. in ärztlicher Absprache) den Einfluss von externen Stimuli wie Koffein auf die Durchblutung.